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Dieses Thema hat 4 Antworten
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Mahyongg
Schwimmkopf



08.08.2013 22:13
Berg & Steigen - und was wir daraus für's Wildwasser lernen können antworten

N'Abend!

In geselliger Runde erwähne ich es ohnehin gerne, dies hier auch mal zu posten wird wohl langsam Zeit:

"Berg und Steigen", die Zeitschrift der O/CH/D Alpenvereine, die sich den treffenden Untertitel "Zeitschrift für Risikomanagement" gegeben hat, ist eine sehr empfehlenswerte Lektüre, aus der auch für uns "Talsportler" viel zu lernen ist. Nicht nur in Bezug auf die neuesten Erkenntnisse der Sicherheitsforschung, die zum Teil - nämlich dort, wo Seile, Karabiner und ähnliches ins Spiel kommen - sehr direkt, zum Teil - vor allem bei psychologischen Themen - auch indirekt zur Sicherheit beim Paddeln beitragen können.

Viele der Artikel sind dazu freundlicherweise als PDF kostenfrei herunter zu laden und somit auch für jeden nicht-Abonnenten zu lesen. Hier mal spontan drei, die ich als interessant und sinnvoll auch für WW-Paddler erachte.. wohl bekomm's!

Jan



1. "Sind Bergunfälle männlich?" - interessante Gender-Untersuchungen und -Überlegungen. Ziemlich leicht auf die Paddelei zu übertragen..

http://www.bergundsteigen.at/file.php/ar...aennlich%29.pdf

2. "Aus Fehlern lernen - aber wie?" - sehr interessant.. u.a. ein Beispiel, wie viel methodische Herangehensweise in der Sicherheitsdiskussion im Bergsport existiert, die im Paddelsport (bisher?) teilweise völlig fehlt.

http://www.bergundsteigen.at/file.php/ar...er%20wie%29.pdf

3. "Warten wir noch ein paar Tote ab" - Betrachtung unter anderem über die Durchsetzungsgeschwindigkeit von neuen Erkenntnissen über Sicherheitsrisiken, die oft erschreckend einfach auszuschalten sind. Hier fallen mir beim paddeln -zig Beispiele ein, die teilweise als "philosophisch" betrachtet werden, wenn es am Bach tatsächlich mal Diskussionspunkt wird. Man kommt sich dann oft vor, als würde man 1980 über Sinn und Unsinn von Autogurten diskutieren... was uns dabei fehlt ist ganz sicher eine handfeste Statistik, die festhält, was für Vorkommnisse tatsächlich stattgefunden haben. Hier jedenfalls die Anregung, über die Lektüre dieses Artikels hinaus das eigene Tun und Lassen einmal deutlich zu reflektieren..

http://www.bergundsteigen.at/file.php/ar...ote%20ab%29.pdf

Also denn - in der Hoffnung, das WW-Paddeln hiermit für alle ein kleines bisschen sicherer gemacht zu haben und trotz der "harten" Themen - enjoy!

--
The hole is more than the sum of its parts.

schwimmendeWerkzeugkiste

09.08.2013 11:50
RE: Berg & Steigen - und was wir daraus für's Wildwasser lernen können antworten

Das sind spannende Artikel, die Stoff zum Nachdenken und Diskutieren geben. Ich habe mich - angeregt durch Claudius - viel mit den Risk-Shift Ansatz beschäftigt. Auch der kommt häufig in Zusammenhang mit Klettersport vor, lässt sich aber auch aufs Paddeln in Gruppen übertragen. Ich habe den Ansatz in die Trainerausbildung übertragen, bin jetzt aber aus dem Ausbildungsteam ausgestiegen, so dass sich das nicht weiter fortentwickeln lässt. Mein Ansatz geht dahin, dass man sich der Verschiebungen von Risikoeinschätzungen bewusst sein muss, dass man vielfach Gruppen ausbremsen muss aber auch in Einzelfällen davon profitieren kann, dass besonders zaghafte Teilnehmer vom Gruppensog mitgerissen werden und sich Dinge trauen, die ihrem objektiven Kompetenzniveau entsprechen.

Prima, dass Fez eine eigene Kategorie für dieses Thema eingerichtet hat. Bin sehr gespannt auf die Diskussionen.

Axel

Mahyongg
Schwimmkopf



09.08.2013 11:59
RE: Berg & Steigen - und was wir daraus für's Wildwasser lernen können antworten

Hi Axel,

interessant, den Risk-Shift Ansatz habe ich bisher noch nie aus dem Blickwinkel der positiven Nutzung für eher ängstliche Paddler gesehen, obwohl so schon oft beobachtet.. manchmal muss einen wohl jemand mit der Nase reinstoßen ;D

Das Bewusstsein ist sicher auch jeden Fall schon mal hilfreich. Denn auch ein Assessment der Gruppenzusammensetzung im Hinblick auf deren Risikopotential nach diversen Methoden führt im Zweifel dazu, dass eine Gruppe aus besonders starken Paddlern/Rettern als sicherer angesehen wird als eine solche, die schwächere Mitglieder enthält - nach diesem Prinzip ergibt sich aber gerade hier ein Gefährdungspotential aus der Selbstüberschätzung dieser Gruppe. Testosteron, ick hör dir trapsen ;D

Find ich auch gut, dass Fez das gemacht hat. Auf viele lehr- und hilfreiche Posts - vor allem Unfallberichte und daraus gelerntes (was ist falsch gelaufen? Was kann man besser machen?) vor allem, wenn trotzdem alles glimpflich abgelaufen ist - wären da hilfreich, um sich ein besseres Bild von der Lage bezüglich bestimmter Themen zu machen.

Cheers!

Jan

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The hole is more than the sum of its parts.

fez
Held vom Erdbeerfeld



09.08.2013 12:48
RE: Berg & Steigen - und was wir daraus für's Wildwasser lernen können antworten

wasn das, der Risk-Shift-Ansatz, nochmal für Dummies bitte.

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This is the first day of my life

schwimmendeWerkzeugkiste

09.08.2013 12:58
RE: Berg & Steigen - und was wir daraus für's Wildwasser lernen können antworten

Risk-shift oder Risky shift, auch als Risikoschub-Phänomen bezeichnet, beschreibt eine Beobachtung, die man bei sozialpsychologischen Experimenten und Untersuchungen machte: Gruppen entscheiden im Allgemeinen risikofreudiger als Einzelpersonen. Es scheint eine Art Abwälzung auf andere Gruppenmitglieder stattzufinden: "Ich trage ja nicht die ganze Schuld." Auch in Gruppen gefällte Urteile fallen nach Diskussion in ihrer Ausprägung stärker aus als einzeln gefällte Urteile (Polarisation), so dass Risk-shift als ein Spezialfall dieser allgemeinen Tendenz der Polarisation gesehen werden kann. Die ersten Experimente von J.A.F. Stoner, der am Sloan College des Massachusetts Institute of Technology eine Magisterarbeit zum Risikoschub-Phänomen einreichte, fanden im Jahre 1961 statt; das Thema wurde dann sehr schnell von sozialpsychologischen Forschern in aller Welt (z. B. Wallach, Kogan, Berm, 1962, 1964) aufgegriffen und war bis Anfang der 1990er Jahre ein häufiges Thema von Untersuchungen.

Die Untersuchungsmethoden insbesondere der frühen Untersuchungen zu dem Thema standen jedoch immer wieder in der Kritik: bezweifelt wurde insbesondere, ob aus den Laborexperimenten auf das tatsächliche Gruppenverhalten und aus der Fragestellung, die die Gruppe in diesen Experimenten zu entscheiden hatte, auf die allgemeine Risikoneigung geschlossen werden kann.

Ausführlicher hier

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